Ich, der Herr Bohne, ich war einmal ein Straßenhund

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Ich, der Herr Bohne, war etwas eineinhalb Jahre alt, als ich von Tierfreunden aus meinem Heimatland Rumänien nach Deutschland in ein kleines Tierheim gebracht wurde.

Ich komme aus Sibiu und wurde als einer von vielen rumänischen Straßenhunden geboren.

Meine Erinnerungen an die Zeit in Rumänien auf der Straße sind verschwommen und die Menschen, die mich nach Deutschland holten, wissen nicht genau, welche Erlebnisse ich machen musste, bevor ich nach Deutschland kam – was sie sagen können: Ich hätte wohl einen zweiten Winter auf der Straße nicht überlebt.

Ich, der Herr Bohne, war ein ängstlicher Herr Bohne, als ich das Tierheim im Sommer 2010 verlassen und zu meiner Familie nach Mittelhessen ziehen durfte.

Ich, der Herr Bohne, ich hatte Angst – schlimme Angst. Auf der Autofahrt in mein heutiges Zuhause musste ich mich übergeben – bis heute fahre ich nicht gerne Auto und lange Strecken werden mir von meiner Familie aus diesem Grund auch nicht zugemutet.

Ich, der Herr Bohne, ich hatte zuvor noch kein Haus von innen gesehen. Ich weiß noch, wie ich vor den Treppenstufen der Terasse saß und mich nicht ins Haus hinein traute. Ich wusste nicht, wie ein Hundeherr eine Treppe laufen kann. Ich kannte keine Treppen.

Ich, der Herr Bohne, hatte Panik, wenn unsere Uromi mit ihrem Gehstock in meine Nähe kam, der Stock, der so laut auf dem Boden „krachte“, der lies mich am ganzen kleinen Hundekörper erzittern. Ich brauchte etwas, bis ich merkte, die Uroma hat mich gern. Als ich das verstanden hatte, war ich ihr bester Freund.

Ich, der Herr Bohne, ich wusste vom ersten Tag an, dass ich mein Geschäft nicht ins Haus machen darf, darauf bin ich heute noch stolz, „jawoll-ja-ja“ – viele meiner rumänischen Freunde brauchen eine ganze Weile, bis sie lernen, sauber zu werden – darauf hatten die Tierfreunde auch meine Familie vorbereitet – doch bei mir funktionierten die Instinkte so gut, dass ich mich bis heute weigere, Pippi in den Garten zu machen – ein Herr Bohne beschmutzt sein Revier nicht.

Ich, der Herr Bohne, konnte manchmal beim Gassigehen plötzlich nicht mehr weiterlaufen – ein fremdes oder vielleicht auch mir sehr bekanntes Geräusch und ich erstarrte – manchmal musste ich dann nachhause getragen werden, weil ich es einfach nicht schaffte, weiterzugehen.

Ich, der Herr Bohne, ich war von Anfang an ein sehr freundlicher Herr Bohne, das sagen alle, die mich kennen lernen durfte – hatte ich vor einem Menschen oder einem anderen Tier Angst, verließ ich das Zimmer, niemals knurrte, bellte oder schnappte ich nach anderen Zwei- oder Vierbeinern, lieber ging ich ihnen aus dem Weg und so halte ich es noch heute (gut, was das Bellen angeht, bin ich inzwischen etwas selbstbewusster geworden, aber das sind immr ganz freundliche Beller, „jawoll-ja-ja“).

Ich, der Herr Bohne, bin ein verspielter Herr Bohne und ich liebe es im Garten zu toben oder in den Feldern unseres Dorfes ohne Leine zu rennen.

Ich, der Herr Bohne, komme auf Zuruf immer zurück und lasse mich wieder anleinen, wirklich immer, es sei denn, ich habe die Fährte einer Maus aufgenommen und mein Herr Bohne-Kopf steckt tief in einem Mauseloch – hier unten unter der Erde höre ich einfach zu schlecht.

Ich, der Herr Bohne, bin absolut kinderlieb und inzwischen kann ich auch die Lautstärke solch kleiner Menschen recht gut aushalten – ein Leckerli von meiner Freundin Mariechen nehme ich noch vorsichtiger, als ich es bei einem erwachsenen Zweibeiner tue.

Ich, der Herr Bohne, bin heute ein frecher, mutiger, glücklicher Hundeherr mit großem Hundeherzen, „jawoll-ja-ja“.

Gibt es unter meinen Lesern auch Frauchen oder Herrchen von ehemaligen Straßenhunden? Ich freue mich auf eure Geschichten.

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Kategorie: Herr Bohne

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Lieber Herr Bohne,
seid du keinen Blog mehr hast habe ich es kaum geschafft dich einmal zu besuchen, weil ich bisher nicht geschnallt habe wie ich dich verlinken könnte – vielleicht im neuen Jahr.
Na, jedenfalls hast Du mir von Tag eins bis heute sehr gut gefallen – und das wird aus so bleiben – auch wenn du noch etwas selbstbewusster werden solltest 🙂
Ich wünsche dir noch schöne Adventstage – voller Lecherchen und einen ruhigen Silvesterabend – die sind für mich immer ein Graus – bäh.
Bis im neuen Jahr also – mein Guter – vielleicht haben wir dann dazugelernt.
Vielen herzlichen Dank auch für deine so überaus liebenswürdigen Kommentare, die wir sehr genießen – herzlichst
deine Bente – mit Monika

Liebe Bente, oh wie schön, dass du den Weg zu mir auf den neuen Familienblog gefunden hast. Wir arbeiten noch an einer Newsletter-Anmeldemöglichkeit, ich melde mich bei dir, wenn es soweit ist.