Besuch bei einem echten Schäfer

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Mariechen mag Schafe. Ihr wisst schon, solche wollig-weichen Schafe, die manchmal in riesigen Herden am Straßenrand stehen. Und Mariechen ist schon lange neugierig gewesen.

Was ist wohl die Aufgabe eines echten Schäfers, hat sich Mariechen gefragt? Mariechen hat sich gewünscht, solch einen echten Schäfer kennen zu lernen. Und manchmal, an Tagen, an denen du gar nicht damit rechnest, dass noch etwas Besonderes passieren könnte, da stand der echte Schäfer am Dorfrand vor ihr, inmitten seiner Schafherde. Mit seinem Schäferstock und dem großen schweren Schäfermantel, der gegen Kälte und Regen schützt, stand er da und lächelte Mariechen zu. Und wenn ein Schäfer so freundlich lächelt, kann Mariechen gar nicht anders: Sie lächelt zurück und geht auf ihn zu und das tollste Schäferinterview überhaupt ensteht an diesem Spätsommerabend, kurz bevor Mariechen nachhause und ins Bett gehen muss.

Ich, der Herr Bohne, ich kann euch sagen: Mariechen war so unglaublich stolz. Sie hat sich fast so gefühlt, wie eine richtig große Reporterin.

Mariechens Schäfer heißt Herr Matthias Walther und kommt aus Hungen-Villingen. Dort lebt er mit seiner Familie und all den Schafen auf seinem Hof. Wobei er das eigentlich nur im Winter tut, das mit dem Wohnen. Und auch nur, wenn es wirklich richtig bitterkalt draußen ist. Die Schafe von Herrn Wilhelm sind nämlich Weidetiere und leben fast ganzjährig draußen.

Herr Walther hat Mariechen erzählt, dass ein echter Schäfer immer bei seinen Schafen bleiben muss. Die Schafe grasen eine Weidefläche ab, das bedeutet, sie fressen das Gras an einer Stelle leer und nach ein paar Tagen zieht der Schäfer mit ihnen weiter. In der Nacht schläft der Schäfer sogar bei seinen Tieren und passt gemeinsam mit seinen Hütehunden auf sie auf. Herr Walther hat einen eigenen Wohnwagen, in dem er übernachten kann.

Die drei Hütehunde übernehmen auch am Tag eine wichtige Aufgabe. Sie passen auf, dass keines der Tiere auf die Fahrbahn gerät oder sich zu weit von der Herde entfernt. Kommt in der Nacht ein Wolf, schlagen die Hunde Alarm und wecken den Schäfer.

Leider gibt es immer weniger Berufsschäfer, hat Herr Wilhelm Mariechen berichtet. Die Arbeitsbedingungen sind nicht einfach, denn auch bei schlechtem Wetter muss der Schäfer bei seiner Herde bleiben. Der Verdienst eines Schäfers ist oft nicht sehr hoch. Schäfer leben davon, die Wolle ihrer Tiere zu verkaufen, das Fleisch anzubieten, Schafsmilch und -Käse zu vertreiben und sie bekommen einen Betrag vom Staat für die Landschaftspflege, die die Schafe durch das Abgrasen der Weideflächen für die Umwelt leisten. Wenn man aber bedenkt, dass ein Schäfer 24 Stunden bei seinen Tieren verbringt, wenig Urlaub und kaum freie Tage hat, wird wohl schnell klar, dass zum Schäferleben eines am Wichtigsten ist: echte Leidenschaft und die Liebe zur Natur und zu den Tieren. Schaue ich, der Herr Bohne, mir das Bild von Schäfer Wilhelm an, sehe ich das Schäferleuchten in seinen Augen, „jawoll-ja-ja“. Seht ihr es auch?

Ich, der Herr Bohne, bin wohl als Hütehunde ungeeignet, mag ich doch bei Regen gar nicht gerne draußen sein. Dennoch haben Mariechen und ich, der Hundeherr, an dieser Stelle einen Tipp für euch: Schäfer Matthias Wilhelm bietet an den Wochenenden eine Ausbildung für Altdeutsche Hütehunde an. Drei Dinge muss ein guter Hütehund mitbringen: Er muss Führung übernehmen wollen, die Bereitschaft zum schnellen Laufen haben und über einen Hütetrieb verfügen.

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Kategorie: Outback

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